Website umziehen ohne Ausfall: Anbieter wechseln, Domain mitnehmen
Der Ausfall beim Hosterwechsel entsteht durch die falsche Reihenfolge, nicht durch die Technik. Sechs Schritte, mit denen Website, E-Mail und Domain ohne Lücke umziehen.
Der Wechsel zu einem anderen Hosting-Anbieter hat einen schlechten Ruf: Man hört von Websites, die tagelang offline waren, und von info@-Postfächern, die mit der Kündigung gelöscht wurden. Fast alle diese Geschichten haben dieselbe Ursache, und die ist nicht technisch. Sie heißt falsche Reihenfolge: Da wird erst gekündigt und dann umgezogen, und in der Lücke dazwischen ist die Seite weg.
Die richtige Reihenfolge ist unspektakulär: Du baust das neue Zuhause komplett auf, testest es, hängst dann die Adresse um und kündigst zuletzt; dazwischen ziehen Postfächer und Domain kontrolliert mit. Eine Zeit lang bezahlst du dafür zwei Anbieter parallel, meist einen Monat. Das ist der Preis für einen Umzug ohne Ausfall, und er ist niedriger als jede Stunde, in der deine Seite nicht erreichbar ist. Hier ist der Weg in sechs Schritten.
Schritt 1: Bestandsaufnahme. Was zieht alles um?
Bevor du irgendetwas kündigst oder buchst, brauchst du eine Liste. Zu einem Website-Umzug gehören bis zu vier Dinge: die Website selbst (Dateien, bei WordPress und anderen CMS zusätzlich die Datenbank), die Domain, die E-Mail-Postfächer, die an der Domain hängen, und der Kleinkram: Subdomains, Weiterleitungen, vielleicht ein Newsletter-Formular, das an eine Adresse deiner Domain sendet. Prüfe außerdem, ob du noch an alle Zugänge kommst: Hosting-Verwaltung, Domain-Verwaltung, FTP oder CMS-Login.
Aufwand: ein Abend. Die typische Stolperstelle: Die Postfächer werden vergessen, weil sie im Alltag unsichtbar im Hintergrund laufen. Wer nur an „die Website“ denkt, merkt erst nach der Kündigung, dass info@ auch beim alten Anbieter lag.
Schritt 2: Das neue Hosting einrichten und die Website kopieren
Buche das neue Paket, ohne beim alten irgendetwas zu ändern. Dann kommt die Kopie. Bei WordPress nehmen dir Migrations-Plugins wie Duplicator die Arbeit ab: Sie packen Dateien und Datenbank in ein Archiv, das du am neuen Ort wieder auspackst; das Ersetzen der alten Adresse in der Datenbank gehört bei diesen Werkzeugen dazu. Eine reine HTML-Seite kopierst du einfach per FTP. Meine eigenen Kundenseiten sind bewusst so gebaut: statische Dateien ohne Datenbank, ein Umzug ist reines Kopieren.
Ein ehrlicher Hinweis für Baukasten-Nutzer: Seiten von Wix, Jimdo und ähnlichen Diensten lassen sich nicht als fertige Website exportieren. Die Domain kannst du mitnehmen, die Website selbst müsstest du beim neuen Anbieter neu aufbauen. Das ist dann kein Umzug mehr, sondern ein Neubau; wie du den angehst, steht im Guide Webseite selbst erstellen.
Aufwand: bei einer statischen Seite ein bis zwei Stunden, bei einem CMS mit Datenbank eher ein halber Tag. Stolperstelle: Du kopierst, während die alte Seite weiterläuft. Lege einen Stichtag fest, ab dem du dort nichts mehr änderst, sonst fehlen dem neuen Stand die letzten Inhalte.
Schritt 3: Testen, bevor irgendjemand etwas merkt
Viele Hoster geben dir eine Vorschau-Adresse, unter der du die kopierte Seite ansehen kannst, solange die Domain noch auf den alten Anbieter zeigt. Hat dein neues Paket keine, frag den Support danach; zur Not testest du direkt nach dem Umschalten in Schritt 6 besonders gründlich, die alte Seite läuft ja noch als Netz. Nutze die Vorschau gründlich: jede Unterseite aufrufen, jedes Formular einmal wirklich absenden, Bilder, Downloads, Impressum und Datenschutzseite prüfen. Am besten einmal am Handy und einmal am Rechner.
Aufwand: eine Stunde konzentriertes Durchklicken. Stolperstelle: interne Links und eingebundene Bilder, die mit vollständiger alter Adresse verdrahtet sind. Sie funktionieren in der Vorschau scheinbar, laden aber weiter vom alten Server; nach dessen Abschaltung sind sie kaputt. Bei WordPress löst das der Suchen-und-Ersetzen-Schritt des Migrations-Plugins, bei Handarbeit hilft die Suche nach deinem alten Domainnamen im Quelltext.
Schritt 4: E-Mail-Postfächer umziehen
Lege beim neuen Anbieter dieselben Adressen an, die du heute nutzt, mit allen Weiterleitungen. Die alten Mails kopierst du am einfachsten per IMAP: beide Konten gleichzeitig im Mail-Programm einrichten und die Ordner vom alten ins neue Konto ziehen. Bei großen Postfächern bieten viele Hoster eigene Umzugshelfer an. Die Grundlagen zu Postfächern und Weiterleitungen stehen im Guide Domain und E-Mail-Adresse einrichten.
Aufwand: eine bis zwei Stunden, plus Kopierzeit bei vollen Postfächern. Stolperstelle: Mit der Kündigung löscht der alte Anbieter die Postfächer samt Inhalt. Was bis dahin nicht kopiert oder lokal gesichert ist, ist weg. Sichern zuerst, kündigen zuletzt.
Schritt 5: Die Domain transferieren mit dem Auth-Code
Die Domain ziehst du mit einem Auth-Code um, auch AuthInfo genannt: ein Passwort, das du beim alten Anbieter anforderst und beim neuen eingibst. Bei .de-Domains ist der Code 30 Tage gültig, und der Transfer geht durch, sobald der neue Anbieter den passenden Code bei der Registrierungsstelle DENIC einreicht, in der Regel innerhalb von Minuten. Bei internationalen Endungen wie .com gilt eine Regel der Vergabestelle ICANN: 60 Tage nach einer Neuregistrierung, einem Transfer oder einer Änderung der Inhaberdaten ist die Domain für weitere Transfers gesperrt. Ändere also nicht kurz vor dem Umzug noch schnell die Inhaberdaten, sonst wartest du zwei Monate.
Wichtig: Ein Transfer ist keine Kündigung, und eine Kündigung ist kein Transfer. Kündige nie das alte Paket in der Hoffnung, die Domain werde dann schon frei; bei manchen Anbietern läuft sie stattdessen in die Löschung. Fordere aktiv den Auth-Code an und starte den Transfer beim neuen Anbieter. Die Stolperstelle dieses Schritts: Beim Transfer setzen viele Anbieter die DNS-Einträge der Domain auf ihre Standardwerte zurück. Notiere vorher alle Einträge, vor allem das Ziel der Website und die MX-Einträge für Mail, damit du sie am neuen Ort sofort richtig setzen kannst.
Und falls der alte Anbieter nicht reagiert oder gar nicht mehr existiert: Für .de-Domains kann dein neuer Provider den Code als sogenannte AuthInfo2 direkt bei der DENIC anstoßen. Du bist deinem alten Hoster nicht ausgeliefert.
Schritt 6: Umschalten, prüfen, erst dann kündigen
Jetzt zeigst du die Domain auf den neuen Server: entweder durch den Transfer selbst, wenn der neue Anbieter auch dein Hoster ist, oder durch das Ändern der DNS-Einträge. Die Umstellung braucht etwas Geduld, denn DNS-Änderungen verteilen sich über viele Zwischenspeicher im Netz. In der Praxis sehen die meisten Besucher die neue Seite nach Minuten bis wenigen Stunden, einzelne Nachzügler erst nach einem Tag. Genau deshalb bleibt die alte Seite so lange online: Wer noch die alte Route erwischt, landet auf einer funktionierenden Website statt auf einer Fehlermeldung.
Das SSL-Zertifikat stellt der neue Anbieter meist automatisch aus, sobald die Domain auf ihn zeigt; prüfe kurz danach das Schloss im Browser. Dann die Mail testen: eine Nachricht von einer fremden Adresse an dich schicken und eine zurück. Erst wenn Website und Postfächer nachweislich über den neuen Anbieter laufen und ein paar Tage stabil sind, kündigst du das alte Paket fristgerecht. Trage danach noch deine Backup-Routine ans neue Zuhause nach; wie die aussieht, steht im Guide Website selbst pflegen.
Noch ein Wort zur Abgrenzung: Dieser Ablauf gilt für den reinen Anbieterwechsel, bei dem die Website gleich bleibt. Wenn du beim Umzug auch Seitenstruktur oder Adressen der Unterseiten änderst, ist das ein Relaunch, und dann brauchst du zusätzlich Weiterleitungen von alt nach neu. Das ist ein eigenes Thema, nachzulesen unter Website-Relaunch und SEO.
Der kurze Weg
Das hier ist der Teil, in dem ich dir meine Lösung zeige. Die Anleitung oben funktioniert auch ohne ihn.
Wenn du den Umzug nicht selbst stemmen willst, oder die alte Seite den Umzug schlicht nicht wert ist: Ich baue Websites, bei denen genau diese Sorgen wegfallen. Deine Seite liegt als schnelle statische Seite auf meinem Server, den Umzug von Domain und Erreichbarkeit übernehme ich beim Start, und die Domain bleibt dabei deine. Wie das Modell funktioniert, steht auf meiner Webdesign-Seite.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Domain-Transfer?
Bei .de-Domains geht der Transfer durch, sobald der neue Anbieter den gültigen Auth-Code bei der DENIC einreicht, meist innerhalb von Minuten. Bei internationalen Endungen wie .com kann es einige Tage dauern; nach Neuregistrierung, Transfer oder Inhaberdaten-Änderung gilt dort außerdem eine 60-Tage-Sperre.
Geht meine Website beim Umzug offline?
Nicht, wenn die Reihenfolge stimmt: Die neue Umgebung steht komplett, bevor die Domain umgestellt wird, und die alte Seite bleibt online, bis die DNS-Umstellung überall angekommen ist. Besucher landen so immer auf einer funktionierenden Version.
Verliere ich beim Hosterwechsel meine E-Mails?
Nur, wenn du kündigst, bevor die Postfächer kopiert sind. Mit der Kündigung löscht der alte Anbieter die Postfächer samt Inhalt. Richte die Adressen vorher beim neuen Anbieter ein und ziehe die alten Mails per IMAP um.
Ändert sich durch den Umzug etwas an meinen Google-Rankings?
Bleiben Domain und Seitenadressen gleich, ändert sich praktisch nichts, Google sieht nur einen anderen Server. Änderst du beim Umzug auch die URLs, ist das ein Relaunch und braucht Weiterleitungen von alt nach neu.
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