Website-Struktur selbst planen: von der Zettelwirtschaft zur Sitemap
Struktur plant man auf Papier, nicht im Baukasten. Vier Schritte (Sammeln, Sortieren, Streichen, Sitemap) verhindern den Unterseiten-Friedhof, bevor er entsteht.
Der häufigste Struktur-Fehler passiert vor dem ersten Klick: Man öffnet den Baukasten, sieht das Menü des Templates und übernimmt es. Startseite, Über uns, Leistungen, Galerie, Aktuelles, Kontakt. Ob die eigene Firma diese Seiten braucht, hat niemand gefragt.
Struktur plant man deshalb auf Papier, bevor irgendein Werkzeug aufgeht. Dieser Guide führt in vier Schritten von der Zettelwirtschaft zur fertigen Sitemap, also dem Plan, welche Seiten deine Website bekommt und wie sie zusammenhängen. Rechne mit einem konzentrierten Abend. Am Ende steht, klar gekennzeichnet, der kurze Weg über mich. Die Anleitung funktioniert auch ohne ihn.
Schritt 1: Sammeln
Schreib ungefiltert auf, was auf die Website soll: Leistungen, Preise, Team, Referenzen, Anfahrt, Fragen, die Kunden dir ständig stellen. Zettel, Notiz-App, egal. Noch wird nichts bewertet und nichts gruppiert. Die Kundenfragen sind dabei die wertvollste Quelle, denn deine Website ist am Ende genau dafür da: Fragen beantworten, bevor jemand anruft. Durchsuch auch dein Mail-Postfach: Was Kunden dir immer wieder schreiben, ist fertiger Inhalt.
Aufwand: eine halbe Stunde, besser verteilt über zwei, drei Tage, weil die besten Einfälle nachkommen. Die Stolperstelle: schon beim Sammeln bewerten. Wer jeden Punkt sofort auf Tauglichkeit prüft, sammelt zu wenig und plant später mit Lücken.
Schritt 2: Sortieren
Jetzt bilde Gruppen, und zwar nach einer einzigen Regel: eine Seite, eine Aufgabe. Eine Seite beantwortet eine Frage oder bedient ein Anliegen. „Badsanierung“ ist eine Aufgabe. „Leistungen“ ist ein Sammelbecken, das erst dann eine eigene Unterseite pro Leistung verdient, wenn Menschen danach getrennt suchen. Als Faustregel: Was ein eigenes Suchbedürfnis hat (Badsanierung, Heizungswartung), darf eine eigene Seite werden. Was nur eine Information ist (Anfahrt, Öffnungszeiten), gehört als Abschnitt auf eine bestehende Seite.
Die Stolperstelle hier: nach Innenansicht sortieren. Betriebe gliedern gern so, wie sie intern über ihre Arbeit reden, nach Abteilungen, Gewerken, Vereinsstruktur. Besucher denken in Anliegen, nicht in Organigrammen. Sortiert wird nach dem, was der Kunde sucht.
Schritt 3: Streichen
Der wichtigste Schritt, und der unbequemste. Jede Seite, die du anlegst, musst du füllen, aktuell halten und intern verlinken. Ein Menüpunkt mit drei Sätzen dahinter ist kein Inhalt, sondern ein Versprechen, das die Seite bricht. Streich alles, was du nicht mit substanziellem Inhalt füllen kannst, und prüf ehrlich, ob nicht ein Onepager reicht: Für viele kleine Betriebe ist eine starke Seite besser als sieben halbe. Die Abwägung dazu steht ausführlich im Guide Webseite selbst erstellen.
Streichen tut weh, das ist die Stolperstelle. Jede gestrichene Seite fühlt sich an wie ein verschenktes Schaufenster. In Wahrheit verschenkst du nichts: Der Inhalt wandert als Abschnitt auf eine stärkere Seite und wird dort öfter gelesen als auf einer Unterseite, die niemand ansteuert.
Schritt 4: Sitemap zeichnen
Jetzt erst entsteht der Plan: oben die Startseite, darunter die Hauptseiten, darunter höchstens eine weitere Ebene. Für eine kleine Website gilt: maximal zwei Ebenen, fünf bis sieben Punkte in der Navigation, und jeder Punkt heißt so, wie Besucher ihn suchen würden. „Badsanierung“ statt „Unsere Kompetenzen“, „Preise“ statt „Konditionen“. Eine „Willkommen“-Seite braucht niemand, das ist die Startseite. Pflichtseiten wie Impressum und Datenschutz gehören in den Footer, nicht ins Hauptmenü. Das sind Faustregeln aus der Praxis, keine Naturgesetze, aber wer sie bricht, sollte einen Grund dafür haben.
Stolperstelle: die Struktur an der Zukunft ausrichten. Plane für das Angebot, das du hast, nicht für das, das irgendwann kommen könnte. Eine leere Referenzen-Seite „für später“ schadet mehr, als sie vorbereitet. Anlegen kannst du sie, wenn die ersten drei Projekte fertig sind.
Der 5-Sekunden-Test
Zeig deine Sitemap-Skizze jemandem, der deinen Betrieb nicht kennt, und stell eine Aufgabe: „Finde heraus, was eine Badsanierung ungefähr kostet.“ Zeigt die Person in fünf Sekunden auf den richtigen Menüpunkt, trägt die Struktur. Muss sie überlegen, sind deine Namen zu kreativ. Menschen scannen Menüs, sie lesen sie nicht. Wie dieses Scannen funktioniert, steht im Artikel über das Leseverhalten im Web.
Ein Hinweis zur Abgrenzung: Dieser Guide plant die Gesamtstruktur, also welche Seiten es überhaupt gibt. Für den Aufbau der Startseite selbst gilt eine eigene Logik: welche Abschnitte in welcher Reihenfolge, vom Klartext-Satz oben bis zur Aufforderung unten. Das steht ausführlich im Artikel über die Struktur einer Webseite.
Der kurze Weg
Das hier ist der Teil, in dem ich dir meine Lösung zeige, ganz transparent. Die Struktur-Arbeit oben ist genau das, was ich bei meinen Webdesign-Projekten als Erstes mache: Aus deinem Briefing entsteht die Seitenstruktur, begründet und aufs Nötige reduziert, bevor irgendetwas gestaltet wird. Du bekommst den Vorschlag zu sehen und gibst Feedback im Dashboard. Wenn du lieber selbst planst: Der Abend mit den Zetteln ist gut investiert, denn eine klare Struktur überlebt jedes Redesign.
Häufige Fragen
Welche Seiten braucht eine kleine Firmen-Website?
Weniger, als die meisten Templates vorschlagen. Startseite, ein bis drei Leistungsseiten (nur wenn getrennt danach gesucht wird), Kontakt, dazu Impressum und Datenschutz im Footer. Vieles andere ist besser als Abschnitt aufgehoben.
Onepager oder mehrere Seiten: Wie entscheide ich das?
Nach dem Suchverhalten. Wenn deine Leistungen eigene Suchanfragen haben (Badsanierung, Heizungswartung), lohnen eigene Seiten. Wenn nicht, macht ein Onepager mit klaren Abschnitten mehr Wirkung als verstreute Unterseiten.
Wie viele Menüpunkte sind sinnvoll?
Fünf bis sieben, als Faustregel. Je mehr Punkte, desto eher gehen wichtige zwischen unwichtigen unter. Was nicht ins Hauptmenü passt, gehört als Abschnitt auf eine Seite oder in den Footer.
Was ist eine Sitemap überhaupt?
Der Plan deiner Website: welche Seiten es gibt und wie sie hierarchisch zusammenhängen. Als Skizze auf Papier ist sie dein Bauplan; die technische XML-Sitemap für Suchmaschinen erzeugt dein System später meist automatisch.
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