Webdesign-Ablauf: warum kein Projekt gleich ist
Der Webdesign-Ablauf hat 7 Phasen — aber in der Praxis läuft kein Projekt exakt danach. Was sich je Projekt wirklich ändert und wie du Korrekturen im Griff behältst.
Der klassische Webdesign-Ablauf hat sieben Phasen: Briefing, Inhalte sammeln, Struktur, Design, Umsetzung, Korrekturen, Launch. Diese Liste findest du in jedem zweiten Blog — und sie stimmt sogar.
Was dabei meist unterschlagen wird: Kein Projekt läuft exakt nach diesem Plan. Ein Designer-Kollege, der eine Seite für sich selbst braucht, ist in Tagen durch. Eine Praxis mit fünf Entscheidungsträgern braucht für dieselben Phasen ein Vielfaches. Der Ablauf ist ein Werkzeug, kein Dogma — und wie du ihn anpasst, entscheidet am Ende mehr über Zufriedenheit und Weiterempfehlung als das Design selbst.
Der Webdesign-Ablauf in 7 Phasen
- Briefing & Zielklärung — was soll die Seite erreichen, wer entscheidet, welches Budget gibt es?
- Materialsammlung — Texte, Bilder, Logo, Zugänge. Alles, bevor das Design startet.
- Struktur & Wireframes — welche Seiten, welche Reihenfolge, was steht oben?
- Designphase — Gestaltung auf Basis von Zielen und Corporate Design.
- Umsetzung — aus dem Design wird eine funktionierende Website.
- Beta-Link & Korrekturen — Feedback in begrenzten, klar vereinbarten Runden.
- Launch — Domain, Weiterleitungen, letzte Checks, live.
So steht's auf dem Papier. Interessant wird es da, wo Projekte vom Papier abweichen.
Der Ablauf ist Teil des Ergebnisses
Der Ablauf ist nicht nur Organisation — er ist Teil dessen, was Kund*innen am Ende bewerten. Wie du mit Zeit, Kommunikation und Erwartungen umgehst, bleibt länger hängen als jeder Farbverlauf.
Gerade Einzelkund*innen und kleine Unternehmen haben keine Zeit zu verschenken. Wer sie mit unklaren Abläufen oder endlosen Korrekturen verschwendet, verliert mehr als Stunden. Vertrauen nämlich.
Briefing: Fragen, nicht Aufgaben
Ich starte Projekte erst, wenn die richtigen Fragen beantwortet sind. Nicht: „Was soll auf die Startseite?“ Sondern:
- Was willst du mit der Seite erreichen?
- Gibt es ein bestehendes Corporate Design, das wir übernehmen müssen?
- Fehlen Inhalte — und wenn ja, wer erstellt sie?
- Gibt es Deadlines, ein Budget, jemanden, der freigeben muss?
Erst wenn diese Punkte klar sind, ergibt ein Ablaufplan überhaupt Sinn. Alles andere ist Blindflug. Wie so ein Briefing konkret aussieht, steht im Artikel Kreativagentur-Briefing.
Inhalte: sammeln, bevor's losgeht
Der größte Zeitfresser in meinen Projekten: fehlende Inhalte. Meine Lösung: Ich schicke Kund*innen eine einfache Liste mit allen benötigten Materialien — Texte, Bilder, Logos, Links — alles in einem Schwung. Erst wenn das Paket vollständig ist, geht's ins Design.
Und: Ich schicke den Beta-Link erst, wenn alles drin ist. Kein halb fertiges Layout mit Lücken. Das senkt die Gefahr von „Ach, dann ändern wir doch gleich noch…“-Momenten erheblich.
Korrekturen begrenzen — aber fair
Ich sage Kund*innen von Anfang an: „Zwei Korrekturrunden sind inklusive, danach wird's Zusatzzeit.“ Das klingt hart, ist aber ehrlich — und es zwingt beide Seiten, Feedback zu bündeln statt zu tröpfeln. Wenn die Grenze früh klar ist, wird sie später nie zum Thema.
Was sich je Projekt wirklich ändert
Vier Stellschrauben entscheiden, wie stark der Standard-Ablauf gebogen wird:
- Zahl der Entscheider: Jede zusätzliche Person, die freigeben muss, verlängert jede Korrekturrunde — nicht das Design dauert, das Warten dauert.
- Content-Reife: Stehen Texte und Bilder schon, oder entstehen sie erst im Projekt? Das ist oft der Unterschied zwischen Tagen und Monaten.
- Neubau oder Relaunch: Bei bestehenden Seiten kommen Weiterleitungen, Alt-Inhalte und Sehgewohnheiten dazu.
- Funktionsumfang: Onepager, Buchungsfunktion oder Shop — je mehr Technik, desto mehr Umsetzungs- und Testzeit.
Wie groß der Hebel ist, zeigt sich in meinen eigenen Projekten: Mit einer einzigen Entscheiderin und fertigen Inhalten läuft dieselbe Phasenliste im Zeitraffer durch. Sobald mehrere Personen freigeben müssen oder Texte erst im Projekt entstehen, wird aus denselben Phasen ein Projekt über Wochen — nicht weil das Design länger dauert, sondern weil zwischen den Phasen gewartet wird. Wer die vier Punkte im Briefing abklopft, plant realistisch, statt hinterher zu improvisieren.
Tipps aus der Praxis
- Plane einen Zeitpuffer ein, bevor du ihn später mühsam reinverhandeln musst.
- Lass dir Freigaben je Phase kurz schriftlich geben — ein Satz per Mail reicht und erspart Diskussionen im Nachhinein.
- Mach dir Notizen zu jedem Projektablauf. Du lernst daraus fürs nächste Mal.
Fazit: Struktur halten, Ablauf biegen
Kein Projekt gleicht dem anderen. Genau das macht gute Designer*innen aus: Sie halten die Struktur und biegen den Ablauf — statt umgekehrt.
Du stehst auf der anderen Seite und willst bauen lassen statt selbst bauen? Wie dieser Ablauf aus Kundensicht aussieht — mit echtem Beispiel, Dauer und Kosten — liest du in Website erstellen lassen. Und wie ich selbst arbeite, steht auf der Webdesign-Seite.
Häufige Fragen
In welcher Reihenfolge läuft ein Webdesign-Projekt ab?
Briefing, Materialsammlung, Struktur/Wireframes, Design, Umsetzung, Korrekturrunden, Launch. Die Reihenfolge bleibt stabil — die Dauer der einzelnen Phasen variiert je Projekt stark.
Wie lange dauert ein Webdesign-Projekt?
Das hängt weniger vom Design ab als von zwei Faktoren: wie viele Personen freigeben müssen und ob Inhalte schon fertig sind. Ein Onepager mit fertigen Texten ist in Tagen machbar, ein Projekt mit mehreren Freigabestufen braucht Wochen bis Monate.
Wie viele Korrekturschleifen sind üblich?
Zwei Runden inklusive ist eine faire Grenze — so handhabe ich es selbst. Entscheidend ist, dass sie vor Projektstart offen kommuniziert wird, dann bündeln beide Seiten ihr Feedback, statt es tröpfeln zu lassen.
Was gehört in ein Webdesign-Briefing?
Ziel der Seite, Zielgruppe, bestehendes Corporate Design, Stand der Inhalte (Texte, Bilder), Deadlines, Budget — und die Frage, wer am Ende freigibt.
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