Die kurze Antwort: Der Webdesign-Projektablauf hat sieben Phasen. Briefing, Inhalte sammeln, Struktur, Design, Umsetzung, Korrekturen, Launch. Diese Liste findest du in jedem zweiten Blog, und sie stimmt sogar.
Was dabei meist unterschlagen wird: Kein Projekt läuft exakt nach diesem Plan, und die Phasen sind nicht das, was die Dauer bestimmt. Ein Designer-Kollege, der eine Seite für sich selbst braucht, ist in Tagen durch. Eine Praxis mit fünf Entscheidungsträgern braucht für dieselben sieben Phasen ein Vielfaches. Nicht weil das Design länger dauert, sondern weil zwischen den Phasen gewartet wird. Unten steht deshalb beides: die Phasenliste, und je Phase die Stelle, an der Projekte tatsächlich hängenbleiben.
Der Webdesign-Projektablauf in 7 Phasen
- Briefing & Zielklärung. Was soll die Seite erreichen, wer entscheidet, welches Budget gibt es?
- Materialsammlung. Texte, Bilder, Logo, Zugänge. Alles, bevor das Design startet.
- Struktur & Wireframes. Welche Seiten, welche Reihenfolge, was steht oben?
- Designphase. Gestaltung auf Basis von Zielen und Corporate Design.
- Umsetzung. Aus dem Design wird eine funktionierende Website.
- Beta-Link & Korrekturen. Feedback in begrenzten, klar vereinbarten Runden.
- Launch. Domain, Weiterleitungen, letzte Checks, live.
So steht's auf dem Papier. Interessant wird es da, wo Projekte vom Papier abweichen.
Je Phase die Stelle, an der es hängenbleibt
Die Phasenliste sagt, was passiert. Sie sagt nicht, wer gerade auf wen wartet. Genau das ist aber der Grund, warum zwei Projekte mit demselben Umfang drei Wochen oder drei Monate brauchen.
Briefing
Es fehlt niemand, der entscheiden darf. Wenn im ersten Gespräch nicht klar wird, wer am Ende Ja sagt, verschiebt sich diese Frage in die Korrekturrunde, und dort kostet sie ein Vielfaches.
Materialsammlung
Texte. Fast immer Texte. Bilder und Logo tauchen irgendwann auf, die Texte werden geschrieben, wenn alles andere fertig ist.
Struktur
Der Wunsch, alles auf die Startseite zu holen. Diese Phase stockt, wenn Seiten diskutiert werden statt Reihenfolgen.
Design
Geschmacksrunden ohne Kriterium. Ohne die Ziele aus dem Briefing wird über Farben abgestimmt, und Abstimmungen über Farben enden nicht von selbst.
Umsetzung
Zugänge. Domain, Hosting, Mailkonto, Analytics: Jeder fehlende Zugang heißt Warten auf eine Antwort von jemandem, der gerade im Urlaub ist.
Korrekturen
Feedback im Tropfmodus. Drei Mails an drei Tagen sind drei Runden, auch wenn sie zusammen nur fünf Änderungen enthalten.
Launch
Weiterleitungen und Mailkonten, die keiner auf dem Zettel hatte. Bei einem Neubau ist der Launch ein Knopfdruck, bei einem Relaunch ist er ein eigener Arbeitsschritt.
Beim Relaunch ist der Ablauf ein anderer
Für einen Neubau reicht die Liste oben. Bei einer bestehenden Seite kommen zwei Phasen dazu, die im Standard-Ablauf gar nicht vorgesehen sind, und beide gehören nach vorn, nicht ans Ende. Erstens eine Bestandsaufnahme: welche Adressen es heute gibt, welche davon Besucher haben und was extern auf sie verlinkt. Zweitens der Umzugsplan, also welche alte Adresse künftig auf welche neue zeigt. Wer das erst am Launch-Tag anfängt, schaltet eine schöne neue Seite live und verliert die Sichtbarkeit der alten. Was beim Relaunch technisch schiefgeht, steht hier.
Briefing: Fragen, nicht Aufgaben
Ich starte ein Projekt erst, wenn die richtigen Fragen beantwortet sind. Nicht: „Was soll auf die Startseite?“ Sondern:
- Was willst du mit der Seite erreichen?
- Gibt es ein bestehendes Corporate Design, das wir übernehmen müssen?
- Fehlen Inhalte, und wenn ja, wer erstellt sie?
- Gibt es Deadlines, ein Budget, jemanden, der freigeben muss?
Erst wenn diese Punkte klar sind, ergibt ein Ablaufplan überhaupt Sinn. Wie so ein Briefing konkret aussieht, steht im Artikel Kreativagentur-Briefing.
Inhalte: sammeln, bevor's losgeht
Der größte Zeitfresser in meinen Projekten: fehlende Inhalte. Deshalb bekommst du von mir am Anfang eine einfache Liste mit allen benötigten Materialien (Texte, Bilder, Logos, Links), alles in einem Schwung. Erst wenn das Paket vollständig ist, geht's ins Design.
Und: Den Beta-Link schicke ich erst, wenn alles drin ist. Kein halb fertiges Layout mit Lücken. Das senkt die Gefahr von „Ach, dann ändern wir doch gleich noch…“-Momenten erheblich.
Korrekturen begrenzen, aber fair
Ich sage von Anfang an: „Zwei Korrekturrunden sind inklusive, danach wird's Zusatzzeit.“ Das klingt hart, ist aber ehrlich, und es zwingt beide Seiten, Feedback zu bündeln statt zu tröpfeln. Wenn die Grenze früh klar ist, wird sie später selten zum Thema.
Ein Angebot mit „unbegrenzten Korrekturschleifen“ ist dagegen kein Geschenk. Meist fehlt dann ein geklärter Prozess, und unbegrenzte Schleifen heißen unbegrenzte Projektdauer.
Was du als Auftraggeber beisteuerst
Die Phasenliste liest sich, als würde ich allein arbeiten. Das Tempo entscheidet sich aber zu einem guten Teil auf deiner Seite:
Ehrlicher Materialstand vor dem Angebot
Welche Texte und Bilder gibt es schon, welche fehlen? Wo liegt die Domain, und wer hat die Zugangsdaten? Wer das nicht weiß, findet es mit dem Beitrag über Domain und E-Mail-Adresse heraus. Je genauer das am Anfang steht, desto genauer das Angebot.
Alle Entscheider in dieselbe Runde
Wer mitreden will, bekommt den Entwurf am selben Tag wie du.
Konkret statt pauschal
„Die Überschrift ist zu lang“ lässt sich umsetzen, „gefällt mir noch nicht“ nicht. Pauschales Feedback kostet eine ganze Runde, ohne dass sich etwas ändert.
Freigaben kurz per Mail
Ein Satz je Phase reicht und erspart Diskussionen im Nachhinein.
Puffer einplanen
Rechne ihn ein, bevor du einen Launch-Termin nach außen versprichst.
Was sich je Projekt wirklich ändert
Vier Stellschrauben entscheiden, wie weit ein Projekt vom Standard-Ablauf abweicht:
Zahl der Entscheider
Jede zusätzliche Person, die freigeben muss, verlängert jede Korrekturrunde.
Content-Reife
Stehen Texte und Bilder schon, oder entstehen sie erst im Projekt? Das ist oft der Unterschied zwischen Tagen und Monaten.
Neubau oder Relaunch
Bei bestehenden Seiten kommen Weiterleitungen, Alt-Inhalte und Sehgewohnheiten dazu.
Funktionsumfang
Onepager, Buchungsfunktion oder Shop: je mehr Technik, desto mehr Umsetzungs- und Testzeit.
Wie groß der Hebel ist, zeigt sich in meinen eigenen Projekten: Mit einer einzigen Entscheiderin und fertigen Inhalten läuft dieselbe Phasenliste im Zeitraffer durch. Sobald mehrere Personen freigeben müssen oder Texte erst im Projekt entstehen, wird aus denselben Phasen ein Projekt über Wochen oder Monate.
Nach dem Launch: drei Fragen, die vorher geklärt sein sollten
Mit dem Livegang endet das Projekt, und der Betrieb fängt an: Updates, Sicherheit, kleine Änderungen. In Angeboten fehlt dieser Teil oft ganz. Drei Fragen gehören deshalb vor die Beauftragung:
- Wer spielt Updates ein, und ist das im Preis enthalten?
- Was kostet eine Textänderung im nächsten Jahr?
- Wem gehören Domain und Inhalte, wenn ihr euch trennt?
Die Antworten sagen mehr über einen Anbieter als seine Referenzliste. Was eine laufende Betreuung abdecken sollte, steht im Beitrag zum Wartungs- und Pflegevertrag.
Fazit: Das Warten entscheidet
Die Phasen sind fast überall dieselben. Wie lange dein Projekt dauert, entscheidet sich zwischen ihnen: an Texten, Zugängen und Freigaben. Wer die drei vorher klärt, ist eher in Wochen fertig als in Monaten. Wie das mit echtem Beispiel, Dauer und Kosten aussieht, steht in Website erstellen lassen, und wie ich selbst arbeite, auf der Webdesign-Seite.
Häufige Fragen
In welcher Reihenfolge läuft ein Webdesign-Projekt ab?
Briefing, Materialsammlung, Struktur/Wireframes, Design, Umsetzung, Korrekturrunden, Launch. Die Reihenfolge bleibt stabil. Die Dauer der einzelnen Phasen variiert je Projekt stark.
Wie lange dauert ein Webdesign-Projekt?
Das hängt weniger vom Design ab als von zwei Faktoren: wie viele Personen freigeben müssen und ob Inhalte schon fertig sind. Ein Onepager mit fertigen Texten ist in Tagen machbar, ein Projekt mit mehreren Freigabestufen braucht Wochen bis Monate.
Wie viele Korrekturschleifen sind üblich?
Zwei Runden inklusive ist eine faire Grenze, so handhabe ich es selbst. Entscheidend ist, dass sie vor Projektstart offen kommuniziert wird, dann bündeln beide Seiten ihr Feedback, statt es tröpfeln zu lassen.
Was gehört in ein Webdesign-Briefing?
Ziel der Seite, Zielgruppe, bestehendes Corporate Design, Stand der Inhalte (Texte, Bilder), Deadlines, Budget und die Frage, wer am Ende freigibt.
Was ist am Ablauf eines Relaunchs anders als bei einem Neubau?
Zwei Phasen kommen dazu, und beide gehören an den Anfang, nicht ans Ende. Die Bestandsaufnahme klärt, welche Adressen es heute gibt, welche davon Besucher haben und was extern darauf verlinkt. Der Umzugsplan legt fest, welche alte Adresse künftig auf welche neue zeigt. Wer damit erst am Launch-Tag anfängt, schaltet eine neue Seite live und verliert die Sichtbarkeit der alten.
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