Website veraltet? Erst diagnostizieren, dann modernisieren
Das Gefühl „unsere Website ist alt“ führt oft zum falschen Projekt. Welche drei Ebenen wirklich veralten, was du selbst prüfen kannst und wann sich ein Neubau lohnt.
Irgendwann fällt der Satz: „Unsere Website ist veraltet." Meist steckt dahinter ein diffuses Gefühl beim Blick auf die eigene Startseite, und auf dieses Gefühl antworten die meisten Ratgeber mit derselben Empfehlung: alle drei Jahre ein Relaunch. Das ist eine Verkaufsregel von Agenturen, keine Diagnose.
Veraltet sein hat drei Ebenen: Inhalt, Technik, Optik. Sie altern unterschiedlich schnell, sie kosten unterschiedlich viel, und ausgerechnet die teuerste Ebene, das Redesign, ist am seltensten das eigentliche Problem. Website modernisieren heißt deshalb zuerst: herausfinden, was überhaupt alt ist. Die drei Ebenen prüfst du am besten in dieser Reihenfolge, bevor du Geld in die Hand nimmst.
Ebene 1: Inhalte veralten zuerst
Der schnellste Alterungsprozess findet im Text statt. Preise, die nicht mehr stimmen. Ein Teamfoto mit zwei Leuten, die längst weg sind. Eine Leistung, die du gar nicht mehr anbietest, und eine neue, die nirgends steht. Öffnungszeiten von vor der letzten Umstellung.
Das ist die gefährlichste Form von „veraltet", weil sie aktiv falsche Auskünfte gibt: Ein Besucher, der wegen einer alten Preisangabe anruft, ist beim ersten Gespräch schon enttäuscht. Zugleich ist es die billigste Reparatur von allen. Dafür reichen ein Nachmittag und eine ehrliche Bestandsaufnahme jeder einzelnen Seite: Stimmt das noch? Würde ich das heute so sagen?
Wenn du nur eine Sache aus diesem Text mitnimmst, dann diese: Prüfe die Inhalte zuerst. Eine optisch angestaubte Seite mit korrekten Angaben arbeitet besser als eine frisch designte mit falschen.
Ebene 2: Technik kannst du messen
Ob die Technik veraltet ist, zeigt dir eine halbe Stunde mit den folgenden Handgriffen:
Handy-Ansicht. Öffne die Seite auf dem eigenen Telefon. Musst du zoomen, um Text zu lesen, oder zielen, um einen Knopf zu treffen, fällt die Seite durch; bei den meisten Websites kommt der Großteil der Besucher mobil.
Formulare und Links. Schick dir selbst eine Testanfrage und klick die wichtigsten Links durch. Ein Formular, das ins Leere sendet, ist schlimmer als gar keins, weil niemand den Fehler bemerkt.
Tempo. Lädt die Seite auf dem Handy spürbar lange, kostet das Besucher, bevor sie den Inhalt sehen. Vieles davon lässt sich ohne Neubau beheben; wie, steht im Guide Ladezeit selbst verbessern.
Schloss-Symbol. Zeigt der Browser „nicht sicher" statt des Schlosses, fehlt HTTPS. Das ist heute Grundausstattung und bei praktisch jedem Hoster nachrüstbar.
Das System darunter. Die härteste Frage: Lebt das Werkzeug noch, mit dem die Seite gebaut wurde? Ein CMS, das seit Jahren kein Update bekommen hat, ein Baukasten-Tarif, den es nicht mehr gibt, ein Bekannter, der die Seite damals gebaut hat und die Zugänge verlegt hat. Wenn niemand mehr ändern kann, was auf der Seite steht, ist sie technisch am Ende, egal wie sie aussieht.
Ebene 3: Optik zählt, aber anders als gedacht
Erst jetzt kommt das Design, und auch hier hilft ein nüchterner Maßstab: Kostet die Optik Vertrauen? Ob die Seite der aktuellen Mode folgt, ist dagegen zweitrangig; Moden wechseln schneller, als sich ein Redesign lohnt.
Vertrauen kostet die Optik an erkennbaren Stellen: winzige Schrift auf großen Bildschirmen, ein sichtbar für Desktop gebautes Layout, das auf dem Handy zerfällt, Pixel-Logos, Stockfotos mit Händeschütteln, ein Copyright-Jahr von vor vier Jahren im Fußbereich. Solche Signale sagen dem Besucher: Hier kümmert sich niemand. Das färbt auf das Geschäft ab, denn beurteilt wird nicht dein Design, sondern deine Sorgfalt.
Ein einfacher Selbst-Test: Öffne deine Seite neben zwei Wettbewerbern auf dem Handy und frag dich, welcher der drei Läden gepflegt wirkt. Fehlen die Warnsignale, darf eine Seite auch mal fünf Jahre alt aussehen. Ruhig und etwas altmodisch schlägt modisch und ungepflegt.
Auffrischen oder neu bauen?
Nach der Diagnose ist die Entscheidung meist einfacher, als die Ratgeber sie machen:
Auffrischen reicht, wenn die technische Basis lebt und du an die Inhalte herankommst. Das ist die günstige Art, eine Website zu modernisieren. Texte aktualisieren, Tempo verbessern, ein paar gestalterische Härten glätten: Das geht schrittweise, ohne dass die Seite offline muss, und kostet einen Bruchteil eines Neubaus.
Neu bauen lohnt, wenn die Diagnose auf Ebene 2 hängen bleibt: totes System, keine Zugänge, ein Baukasten ohne Exportweg, oder wenn jede kleine Änderung zur Bastelei wird. Dann wird die alte Seite zur Dauerbaustelle, und das Geld fließt besser in einen sauberen Neustart. Was der kostet, habe ich im Beitrag über Relaunch-Kosten aufgeschlüsselt; wie so ein Projekt abläuft, steht im Webdesign-Ablauf.
Eine Warnung gehört zu jedem Neubau: Die alten Adressen deiner Seite sind bei Google bekannt. Wer sie beim Relaunch kommentarlos sterben lässt, verliert seine Sichtbarkeit; jede alte URL braucht eine Weiterleitung auf ihre Nachfolgerin. Die Regeln dafür stehen im Beitrag Relaunch ohne SEO-Verlust. Ich habe das an der eigenen Seite durchexerziert: Beim Umzug aus dem alten Baukasten-System blieben alle Blog-Adressen unverändert, der Rest wurde einzeln weitergeleitet, und die Blog-Beiträge ranken seither weiter.
Wenn du die Diagnose gemacht hast und es auf einen Neubau hinausläuft, den du nicht selbst stemmen willst: Genau dafür gibt es mein Webdesign-Angebot, inklusive der Weiterleitungs-Arbeit.
Und falls die Diagnose ergibt: eigentlich nur die Inhalte? Dann hast du gerade ein Redesign gespart.
Häufige Fragen
Wie oft sollte man eine Website erneuern?
Es gibt kein sinnvolles festes Intervall. Inhalte gehören laufend gepflegt, die Technik alle paar Monate kurz geprüft. Ein Neubau steht an, sobald die Diagnose ihn begründet. Feste Erneuerungs-Rhythmen nützen vor allem dem, der sie verkauft.
Kann ich meine Website modernisieren, ohne Rankings zu verlieren?
Beim Auffrischen bestehender Seiten ja, solange die Adressen gleich bleiben. Kritisch wird es beim Neubau mit neuen URLs: Dann braucht jede alte Adresse eine Weiterleitung auf ihre Nachfolgerin, sonst verfallen die Positionen. Details dazu stehen im Beitrag über Relaunch und SEO.
Was kostet es, eine Website zu modernisieren?
Das hängt an der Diagnose: Inhalte aktualisieren kostet vor allem Zeit, Technik-Reparaturen bewegen sich meist im überschaubaren Rahmen, ein Neubau ist die teuerste Stufe. Konkrete Spannen habe ich im Beitrag über Relaunch-Kosten aufgeschlüsselt.
Reicht ein neues Design, um die Website zu modernisieren?
Selten. Wenn Inhalte falsch sind oder das Formular nicht ankommt, löst ein Redesign das Problem nicht, es versteckt es nur hübscher. Deshalb steht das Design in der Diagnose-Reihenfolge bewusst an letzter Stelle.
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