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Webdesign5. März 2026

Website mit KI erstellen: was die Tools können und was nicht

KI ist im Webdesign ein guter Zuarbeiter und ein schlechter Entscheider. Welche Werkzeuge sich für welche Aufgabe lohnen und wo sie zuverlässig danebenliegen.

Ja, KI baut dir eine Website. In wenigen Minuten, formal korrekt, mit Bildern und Text. Die interessante Frage ist nicht mehr, ob das geht. Sie lautet: Welche Arbeit wird damit wirklich besser, und welche wird nur schneller falsch?

Die brauchbare Trennlinie verläuft nicht zwischen leichten und schweren Aufgaben. Sie verläuft zwischen Material und Urteil. Material darf die Maschine liefern. Das Urteil nicht.

Was KI-Website-Builder versprechen und was sie liefern

Wix ADI, Jimdo Dolphin, Durable oder 10Web machen dasselbe Angebot: Branche eingeben, ein paar Klicks, fertige Website. Für eine einfache Visitenkarte im Netz funktioniert das auch. Die KI zieht Muster aus Millionen von Websites, kombiniert Farben, setzt Texte ein und baut eine Struktur, die formal stimmt.

Was dabei entsteht, ist korrekt und sauber. Und generisch. Das ist kein Versehen, sondern die Bauart: Ein Modell zielt auf die wahrscheinlichste Lösung. Deine Marke ist aber genau die unwahrscheinliche. Deshalb ähneln sich diese Seiten so: dieselben Hero-Sektionen, dieselben blauen Buttons, dieselbe kühle Ordnung, in der alles gleich wichtig aussieht.

KI-Tools im Webdesign, nach Aufgabe sortiert

Sinnvoll wird es überall dort, wo hinterher ein Mensch draufschaut und entscheidet, ob es taugt. Rohmaterial zu bewerten geht deutlich schneller, als es aus dem Nichts zu erzeugen. Die folgende Einteilung ist auf dem Stand August 2026; die Produktnamen darin veralten schneller, als man Listen pflegen kann, die Aufgabenteilung nicht.

  • Erste Textfassungen und Struktur-Varianten. Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini. Nicht als fertiger Text, sondern als etwas zum Widersprechen. Ein mittelmäßiger Entwurf, an dem man sich reibt, bringt weiter als ein leeres Feld.
  • Bildaufbereitung. Photoshops generative Füllung, Adobe Firefly und vergleichbare Werkzeuge fürs Freistellen, Hintergründe ersetzen und Anpassen von Formaten. Früher Handarbeit, heute Sekunden.
  • Bildideen und Stimmungsbilder. Midjourney oder die Bildmodelle der großen Anbieter, gut für Moodboards und Platzhalter im Entwurf. Als fertige Bilder auf einer Firmenseite haben sie nichts verloren.
  • Alt-Texte. Dieselben Sprachmodelle. Stumpfe, wichtige Arbeit, die sonst unter den Tisch fällt. Gegenlesen muss man sie trotzdem, weil die Maschine beschreibt, was im Bild ist, und nicht, wofür es dasteht.
  • Code-Kleinkram. Assistenten wie GitHub Copilot, Cursor oder Claude Code. Umbenennen, umbauen, wiederkehrende Muster. Alles, wo klar ist, was rauskommen soll, und die Arbeit nur Tipparbeit ist.
  • Anfragen aufnehmen. Ein Chatbot, der Schritt für Schritt fragt, statt ein Formular mit zwölf Feldern hinzustellen. Warum ein Chatbot mehr Anfragen zu Ende bringt als ein Formular, steht in einem eigenen Beitrag.

Wo KI zuverlässig danebenliegt

Hierarchie. Ein Layout entsteht aus einer Entscheidung darüber, was zuerst gesehen werden soll. Die steckt nicht in der Seite, sondern in deinem Geschäft. Ein Modell kennt dein Geschäft nicht und ordnet deshalb alles gleich wichtig an.

Markenstimme. Generierte Texte klingen glatt, freundlich und wie alle anderen. Wirklich überzeugende Website-Texte haben eine Haltung und eine Art zu sprechen, die zu genau diesem Unternehmen passt und zu keinem anderen.

Fakten. Preise, Fristen, Öffnungszeiten, Zuständigkeiten. Alles, was falsch sein kann, ist irgendwann falsch. Auf einer Firmenwebsite ist das kein Schönheitsfehler, sondern eine verlorene Anfrage.

Barrierefreiheit. Generierter Code sieht im Browser richtig aus, und einfache Auszeichnungen bekommen die Modelle meist hin. Was sie nicht hinbekommen, ist alles Kontextabhängige: welches Element nach dem Öffnen eines Menüs den Fokus bekommt, in welcher Reihenfolge man sich mit der Tabulatortaste durch ein Formular bewegt, und ob eine Fehlermeldung überhaupt angesagt wird oder nur rot aufleuchtet. Für die Maus macht das keinen Unterschied. Für Tastatur und Screenreader schon.

Was Untersuchungen über KI-Code sagen

Beim Code muss man nicht beim Bauchgefühl bleiben. Veracode lässt für den GenAI Code Security Report seit 2025 Sprachmodelle achtzig Code-Lücken füllen, jede so gebaut, dass es eine sichere und eine unsichere Lösung gibt. Im Frühjahrs-Update 2026 waren über 150 Modelle geprüft. Ergebnis: In nur 55 Prozent der Fälle kam sicherer Code heraus, während die reine Syntax inzwischen zu über 95 Prozent stimmt. Die Modellgröße macht dabei laut Veracode kaum einen Unterschied, und selbst der schrumpft mit neueren Modellen.

Die Lücke zwischen „läuft" und „läuft sicher" wird also nicht kleiner, sie wird sichtbarer. Das Problem skaliert nicht weg.

Beim Tempo ist die Lage weniger eindeutig, als es oft behauptet wird. Die Forschungsgruppe METR ließ 2025 sechzehn erfahrene Entwickler 246 echte Aufgaben in ihren eigenen Projekten bearbeiten, mit und ohne KI. Mit KI brauchten sie 19 Prozent länger. Im Februar 2026 hat METR nachgelegt, die alte Zahl selbst als überholt gekennzeichnet und die neue Messung wegen Auswahleffekten als unzuverlässiges Signal bezeichnet. METR hält es sogar für wahrscheinlich, dass Entwickler Anfang 2026 stärker profitieren als ein Jahr zuvor.

Die Studie taugt also nicht als Beweis, dass KI langsamer macht. Was aus der ersten Runde stehen bleibt, ist etwas anderes: Dieselben Entwickler, die messbar länger brauchten, waren hinterher überzeugt, schneller gewesen zu sein. Wer gerade begeistert ist, ist beim Schätzen die falsche Instanz. Warum ich deshalb von Minuten-Versprechen wenig halte, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.

Wie ich es halte

Ich benutze diese Werkzeuge täglich und habe nicht vor, damit aufzuhören. Entscheidungen treffen sie bei mir aber nicht. Struktur, Hierarchie und Ton entstehen vorher, im Briefing und im Kopf. Danach darf die Maschine zuarbeiten.

Praktisch heißt das: Ich lasse mir Gliederungen geben und nehme meistens keine davon. Nützlich ist nicht der Entwurf, sondern der Widerspruch, den er auslöst. Kleinkram lasse ich erledigen und lese das Ergebnis. Und keine Zahl, kein Name und keine Jahreszahl geht ungeprüft auf eine Seite, weil genau da die Fehler sitzen, die man später teuer sucht. Das ist der Unterschied zwischen einer Seite, die schnell fertig ist, und einer, die man hinterher nicht nachbauen muss. So läuft ein Projekt bei mir ab.

Drei Fragen, mit denen du das prüfst

Du musst kein Werkzeug kennen, um zu erkennen, ob jemand vernünftig damit arbeitet.

  • Wer hat den Text zuletzt gelesen? Nicht geschrieben, gelesen. Wenn die Antwort niemand ist, stehen die Fehler noch drin.
  • Woher kommen die Bilder? Generierte Menschen an Orten, die es nicht gibt, sind auf einer Handwerkerseite das Gegenteil eines Vertrauensbelegs.
  • Kann jemand erklären, warum die Seite so aufgebaut ist? Wenn ja, steckt eine Entscheidung dahinter. Wenn die Antwort auf ein Werkzeug verweist, steckt keine dahinter.

Und wenn du selbst ausprobieren willst, was ein KI-Builder aus deiner Branche macht: Tu es. Es ist die schnellste Art, den Unterschied zwischen Material und Ergebnis kennenzulernen. Für eine Landingpage oder eine reine Visitenkarten-Seite kann so ein Baukasten sogar der richtige Einstieg sein. Sobald die Website Anfragen bringen soll, entscheidet nicht mehr das Werkzeug, sondern wer die Entscheidungen trifft.

Häufige Fragen

Kann KI eine komplette Website erstellen?

Technisch ja. KI-Builder wie Wix ADI oder Durable liefern in Minuten eine Seite, die im Browser funktioniert. Was fehlt, sind die Entscheidungen: was zuerst gesehen wird, wie die Marke klingt, welche Angaben stimmen müssen. Für eine einfache Visitenkarten-Seite reicht das oft. Sobald die Website Anfragen bringen soll, nicht mehr.

Welche KI-Tools lohnen sich im Webdesign?

Sinnvoll ist die Einteilung nach Aufgabe statt nach Produkt: Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini für Textfassungen, Struktur-Varianten und Alt-Texte; Photoshop oder Firefly fürs Freistellen und Aufbereiten von Bildern; Assistenten wie Copilot, Cursor oder Claude Code für wiederkehrenden Kleinkram. Gemeinsam ist allen, dass hinterher jemand das Ergebnis prüft. Produktnamen veralten schnell, die Aufgabenteilung nicht.

Ist KI-generierter Code sicher?

Nicht von allein. Veracode lässt für den GenAI Code Security Report Modelle achtzig Code-Lücken füllen, bei denen es je eine sichere und eine unsichere Lösung gibt. Im Frühjahrs-Update 2026 mit über 150 geprüften Modellen kam nur in 55 Prozent der Fälle sicherer Code heraus, während die Syntax zu über 95 Prozent stimmte. Größere Modelle schnitten kaum besser ab.

Macht KI die Arbeit an einer Website wirklich schneller?

Bei Rohmaterial ja, bei Entscheidungen nicht. Die Forschungsgruppe METR maß 2025 bei erfahrenen Entwicklern sogar 19 Prozent mehr Zeitbedarf mit KI, hat diese Zahl im Februar 2026 aber selbst als überholt gekennzeichnet und hält stärkere Effekte zugunsten der KI inzwischen für wahrscheinlich. Stabil geblieben ist etwas anderes: Die Entwickler schätzten sich schneller ein, als sie waren.

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