Magazin erstellen und gestalten: von der Idee bis zum fertigen Heft
Von der Idee bis zum fertigen Heft: welche Entscheidungen früh fallen, warum der Umfang die Redaktion steuert und weshalb das Layoutsystem über die zweite Ausgabe entscheidet.
Ein Magazin entsteht in fünf Schritten, und das Layout ist der vierte: erst Konzept, dann Heftplanung, dann Redaktion, dann Gestaltung, zuletzt Druck.
Drei Entscheidungen fallen dabei vor der ersten gestalteten Seite und bestimmen alles Weitere: wie oft das Heft erscheint, wie viele Seiten es hat und wie lang ein Artikel sein darf.
Ohne Konzept keine Leserbindung
Ein Magazin ist ein Medium, das regelmäßig erscheint und eine erkennbare Handschrift hat. Wer es in die Hand nimmt, nimmt sich Zeit, blättert, bleibt hängen. Diese Aufmerksamkeit bekommt aber nur ein Heft, das geführt wird. Am Anfang stehen deshalb vier Fragen:
- Wer liest dieses Magazin?
- Welche Themen stehen im Mittelpunkt?
- Wie tief gehen die Inhalte?
- Wie oft erscheint das Heft?
Die letzte Frage wird am häufigsten zu optimistisch beantwortet. Vier Ausgaben im Jahr klingen machbar, bis die zweite ansteht und niemand Zeit für die Themenplanung hat. Zwei gute Ausgaben schlagen vier halbe, und die Frequenz lässt sich später erhöhen. Andersherum fällt es Lesern auf und wirkt wie ein Rückzug. Für Kunden- und Mitarbeiterhefte gelten dieselben Fragen mit anderer Zielgruppe, das steht im Beitrag zum Kundenmagazin.
Heftplanung: die Seitenzahl ist eine Redaktionsentscheidung
Bevor eine Seite gestaltet wird, muss klar sein, wie das Heft aufgebaut ist. Zur Heftplanung gehören Gesamtseitenzahl, feste Rubriken, variable Inhalte, Anzeigenplätze und Sonderseiten wie Titel, Editorial und Inhaltsverzeichnis.
Über den Umfang entscheidet allerdings die Bindung mit. Bei geklammerten Heften geht er nur in Viererschritten: 24, 28, 32, nie 26. Woran das liegt und welche Bindung welchen Umfang zulässt, steht im Guide Magazin selbst gestalten.
Für die Redaktion zählt die Folge daraus. Vier Seiten sind der kleinste Schritt, den du gehen kannst. Ein Artikel, der aus dem Ruder läuft, kostet nicht eine Seite mehr, sondern vier, und diese vier will jemand mit Inhalt füllen, den bis eben niemand geplant hatte. Deshalb steht der Umfang am Anfang.
Die Zeichenzahl entscheidet über das Layout
Die Zeichenzahl ist der unterschätzte Punkt. Ein Layoutplatz für 3.000 Zeichen nimmt keine 4.500 auf, ohne dass etwas leidet: Die Schrift wird kleiner, der Weißraum verschwindet, das Bild schrumpft. Wer im Konzept festlegt, wie lang Interview, Reportage und Kurzmeldung sind, spart sich diesen Streit in jeder Ausgabe neu. Und die Redaktion schreibt auf ein Ziel hin.
Dasselbe gilt für Abgabefristen, Korrekturschleifen und Bildanforderungen. Was vorher nicht vereinbart ist, wird später verhandelt, und zwar unter Zeitdruck.
Der Drucktermin steht, alles andere ordnet sich unter
Spätestens beim Printmagazin ist der Drucktermin gebucht. Ein realistischer Ablauf wird deshalb rückwärts geplant:
- Druckfreigabe
- finale PDFs
- letzte Korrekturen
- Layout-Fertigstellung
- Text- und Bildabgaben
- Redaktionsschluss
Die Vorlaufzeit, die du am wenigsten verhandeln kannst, ist die Produktionszeit der Druckerei. Sie steht im Angebot und gehört an den Anfang des Redaktionsplans. Wer sie hinterher noch verkürzen muss, kauft sie als Express-Zuschlag zurück; ein verspäteter Redaktionsschluss landet damit in der Rechnung.
Zwei Punkte fehlen in den meisten ersten Heftplänen: Auflage und Verteilweg. Beides gehört vor die Druckfreigabe, weil beides den Preis bewegt und die Auflage sich nachträglich nur teuer korrigieren lässt. Wo das Heft danach ausliegt, ob es versendet wird und an wen, gehört in denselben Plan. Gutes Editorial Design braucht vor allem gut geplante Zeit. Wie dieser Ablauf bei mir aussieht, steht im Editorial-Design-Prozess.
Magazingestaltung: Raster, Typografie, Bilder
Wiederholung ist keine Schwäche, sie gibt Orientierung: Der Leser lernt nach drei Seiten, wo die Bildunterschrift steht und wie ein Kapitelanfang aussieht. Danach muss er nicht mehr suchen.
Innerhalb dieses Systems entsteht der Rhythmus. Lange Texte wechseln sich mit kurzen ab, dichte Seiten mit luftigen. Ein Heft, das auf jeder Seite überrascht, ist anstrengend.
Bilder tragen dabei einen Teil der Erzählung, deshalb stehen ihre Formate schon im Heftplan. Wenn die Bildauswahl erst am Ende kommt, gerät das Layout ins Wanken, weil plötzlich Hochformate in Querformat-Plätze sollen. Wer die Bildliste zusammen mit dem Heftplan macht, diskutiert seltener über Notlösungen.
Warum die zweite Ausgabe über alles entscheidet
Eine einzelne Ausgabe kann jeder durchziehen, mit genug Abenden und genug Geduld. Der Punkt, an dem es kippt, ist selten die Gestaltung. Es ist die zweite Ausgabe.
Dann zeigt sich, ob Entscheidungen festgehalten wurden oder nur getroffen: die Größe der Überschrift, die Breite des Satzspiegels, die Position der Bildunterschrift. Wer das nirgends hinterlegt hat, gestaltet beim zweiten Mal von vorn, und das Heft sieht anders aus als das erste. Genau daran merkt der Leser, dass niemand die Fäden hält.
Das Layoutsystem ist deshalb die eigentliche Investition, nicht die einzelne Seite. Es kostet beim ersten Heft Zeit und spart sie bei jedem weiteren.
Print und digital: was sich wirklich unterscheidet
Viele Printmagazine erscheinen zusätzlich als PDF, digital geblättert und nicht neu gedacht. Das funktioniert. Der Unterschied steckt im Leseverhalten: Print wird bewusster gelesen, digitale PDFs häufiger zwischendurch. Schriftgrößen, Kontraste und Seitenrhythmus sollten deshalb auf Papier und am Bildschirm tragen.
Soll das Magazin dauerhaft auf der eigenen Seite leben, gehört die Website mitgeplant. Ein 40-MB-PDF hinter einem Menüpunkt ist kein digitales Magazin. Webdesign und Editorial Design gehören dann zusammen gedacht, sonst liegt das Heft online genauso ungelesen herum wie im Regal.
Woran man ein geführtes Magazin erkennt
Ein gutes Magazin fühlt sich selbstverständlich an. Man denkt beim Lesen nicht über die Gestaltung nach, weil Konzept, Heftplan und Layoutsystem die Arbeit vorher gemacht haben.
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Häufige Fragen
Wie viele Seiten sollte ein Magazin haben?
So viele, wie du dauerhaft mit Inhalt füllen kannst, und bei geklammerten Heften nur in Viererschritten. Ein schlankes Heft, das jedes Mal erscheint, wirkt stärker als ein dickes, das einmalig bleibt. Woran der Umfang technisch hängt, steht im Guide zum Selbergestalten.
Was ist der Unterschied zwischen Magazin und Zeitschrift?
Im Sprachgebrauch kaum einer. Zeitschrift meint meist einen periodisch erscheinenden Titel im Handel oder Abo, Magazin wird auch für Kunden- und Mitarbeiterhefte benutzt. Für Heftplanung und Gestaltung macht die Bezeichnung keinen Unterschied, entscheidend sind Erscheinungsrhythmus, Umfang und Zielgruppe.
Wie oft sollte ein Magazin erscheinen?
So oft, wie die Redaktion es dauerhaft schafft, und im Zweifel seltener. Der Rhythmus lässt sich später erhöhen, ohne dass es jemandem negativ auffällt. Ihn wieder zu senken, fällt dagegen sofort auf.
Was kostet es, ein Magazin zu erstellen?
Wer Redaktion und Layout selbst macht, zahlt praktisch nur den Druck. Der hängt an Auflage, Umfang und Papier und lässt sich erst mit fertigem Heftplan seriös kalkulieren. Wer Redaktion und Layoutsystem einkauft, hat den größeren Posten einmalig am Anfang, weil das System danach jede weitere Ausgabe trägt.
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