Editorial Design Prozess
Vom Briefing bis zur Druckdatei: So läuft ein Editorial-Design-Projekt ab – alle fünf Phasen erklärt, aus Kunden-Sicht.
Ein Editorial-Design-Projekt läuft in fünf Phasen: Briefing, Heftplanung, Layout, Korrekturen, Druckvorbereitung. Diese Reihenfolge ist bei fast jedem Magazin, jeder Broschüre, jedem Geschäftsbericht gleich – nur die Dauer der einzelnen Phasen variiert.
Dieser Artikel geht die fünf Phasen aus Kunden-Sicht durch. Danach weißt du, was dich erwartet, was du wann liefern musst und wo die typischen Stolperstellen liegen.
Briefing & Konzeption
Phase 1: Briefing & Konzeption
Am Anfang steht das Gespräch. Ein gutes Briefing spart später deutlich mehr Zeit, als es kostet. Geklärt wird:
- Format und Umfang: Wie viele Seiten? Welches Druckformat? Gedruckt, digital oder beides?
- Zielgruppe: Wer liest das Endprodukt – Kunden, Mitarbeitende, Fachpublikum?
- Bildsprache und Tonalität: Zurückhaltend und hochwertig oder lebendig und bunt?
- Markenrahmen: Gibt es ein Corporate Design mit Schriften, Farben und Logo, das gesetzt ist?
- Drucktermin: Wann muss die fertige Publikation vorliegen?
Du bringst mit: ein klares Bild vom Zweck der Publikation, Beispiele, die dir gefallen (oder eben nicht), und einen realistischen Zeitplan. Je konkreter das Briefing, desto weniger Überraschungen später.
Am Ende dieser Phase steht ein Konzeptvorschlag mit Formatdefinition, grober Struktur und erstem Gestaltungsansatz – die Grundlage für die Heftplanung.
Noch unsicher, ob Agentur oder freier Designer? Das klärt dieser Artikel: Editorial Design Agentur – Worauf es wirklich ankommt →
Heftplanung & Seitenstruktur
Phase 2: Heftplanung & Seitenstruktur
Die Heftplanung ist das Herzstück des Projekts – und die Phase, die Kunden am häufigsten unterschätzen. Hier wird festgelegt, welches Thema wie viel Platz bekommt, in welcher Reihenfolge die Inhalte erscheinen und wie sich Bild- und Textseiten abwechseln.
Das Ergebnis ist ein Seitenspiegel: eine Übersicht aller Seiten mit ihrer geplanten Belegung. Klingt trocken, ist aber entscheidend – hier zeigt sich zum ersten Mal, ob der Inhalt tatsächlich ins Format passt.
Das klassische Problem: Texte passen nicht zum Plan
Laut Seitenspiegel soll ein Beitrag vier Seiten füllen – der fertige Text reicht für zwei. Oder ein Thema wächst und braucht plötzlich sechs Seiten statt drei. Das ist keine Ausnahme, das ist der Normalfall. Kein Seitenspiegel überlebt den ersten Kontakt mit den echten Texten unverändert.
Dafür gibt es Lösungen: flexible Layouts, Infografiken, die Inhalte verdichten, oder ein Umbau der Heftstruktur. Wichtig ist, dass du früh davon erfährst – nicht erst, wenn die Druckdatei fertig sein sollte.
Dein Part in dieser Phase: den Seitenspiegel sorgfältig prüfen, Prioritäten setzen (was ist unverzichtbar, was kann gekürzt werden) und Texte so früh wie möglich liefern – idealerweise bevor das Layout beginnt.
Layout & Gestaltung
Phase 3: Layout & Gestaltung
Jetzt wird es sichtbar: Texte werden gesetzt, Bilder platziert, Seiten gestaltet. In der Praxis läuft das in zwei Schritten:
1. Musterseiten
Zuerst entstehen einige Musterseiten – typischerweise Cover, Inhaltsverzeichnis, eine Textseite und eine Bildstrecke. Daran wird abgestimmt: Stimmt die Bildsprache? Passt die Typografie? Hier sind grundsätzliche Änderungen noch billig, weil sie nicht den ganzen Satz betreffen.
2. Gesamtsatz
Sind die Musterseiten freigegeben, wird das komplette Heft gesetzt: alle Inhalte eingebaut, Bilder optimiert, Typografie feinjustiert. Das ist die aufwendigste Phase – und der Moment, ab dem Textänderungen teuer werden. Jede Änderung kann Seiten neu umbrechen lassen und den Umfang verschieben.
Dein Part: Texte und Bilder vollständig und rechtzeitig liefern. Textänderungen nach Beginn des Gesamtsatzes vermeiden – oder als das behandeln, was sie sind: zusätzlicher Aufwand.
Korrekturrunden & Freigabe
Phase 4: Korrekturrunden & Freigabe
Nach dem ersten vollständigen Layout bekommst du eine PDF-Ansicht und kannst Anmerkungen einbringen: inhaltliche Korrekturen, Bildtausche, Anpassungen an Formulierungen oder Gestaltung.
Wie Korrekturen funktionieren sollten
Eine Korrekturschleife funktioniert, wenn alle Anmerkungen gebündelt kommen. Nicht: täglich einzelne E-Mails mit Nachträgen. Sondern: ein kommentiertes PDF oder eine strukturierte Liste mit allen Punkten auf einmal. Klingt nach Kleinigkeit, spart in der Praxis auf beiden Seiten erheblich Zeit.
Wie viele Korrekturschleifen im Angebot enthalten sind, wird vor Projektstart festgelegt – bei mir wie bei den meisten Kollegen sind das zwei bis drei. Weitere Runden sind möglich, kosten aber extra.
Titelblatt-Abstimmung: eigenes Kapitel
Das Cover verdient besondere Aufmerksamkeit. Es ist das Erste, was ein Leser sieht – entsprechend viele Meinungen gibt es dazu. Plane für die Cover-Abstimmung bewusst mehr Zeit ein als für andere Seiten und hole alle relevanten Entscheider früh an den Tisch. Nichts kostet mehr Nerven als ein Cover, das kurz vor Drucktermin noch einmal grundsätzlich gekippt wird.
Dein Part: Korrekturen bündeln, Entscheidungen intern vorab klären – und die finale Freigabe von genau einer autorisierten Person erteilen lassen. Ein Freigabe-Komitee ohne klare Zuständigkeit ist die zuverlässigste Methode, einen Drucktermin zu reißen.
Druckvorbereitung
Phase 5: Druckvorbereitung & Übergabe
Nach der finalen Freigabe wird das Layout in druckfertige Daten umgewandelt: Farben in CMYK konvertiert, Schriften eingebettet, Bilder auf Druckauflösung geprüft, Schnittmarken und Anschnitt ergänzt.
Wichtig zu wissen: Druckdaten sind nicht dasselbe wie die Korrektur-PDF. Sie werden für eine konkrete Druckerei und ein konkretes Verfahren (Offset- oder Digitaldruck) aufbereitet. Wer die Druckerei auswählt und beauftragt – du oder der Designer – gehört deshalb schon ins Briefing, nicht in die letzte Woche.
Mit der Übergabe der Druckdaten ist das Projekt aus Design-Sicht abgeschlossen. Du erhältst die fertigen Dateien, auf Wunsch auch die offenen Layoutdateien für spätere Aktualisierungen.
Überblick
Der Prozess im Überblick
Fünf Phasen: Briefing → Heftplanung → Layout → Korrekturen → Druckvorbereitung. Reibungslos wird der Prozess nicht durch Perfektion in jeder Phase, sondern durch klare Kommunikation, rechtzeitig gelieferte Inhalte und einen Designer, der auch dann Lösungen findet, wenn die Planung nicht aufgeht.
Übrigens läuft ein Website-Projekt bei mir nach demselben Muster – Briefing, Struktur, Design, Korrekturen, Übergabe. Wie das konkret aussieht, steht auf meiner Webdesign-Seite.
Was Editorial Design als Disziplin ausmacht und welche Gestaltungsprinzipien dahinterstecken: Was gehört zum Editorial Design? →
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Editorial-Design-Projekt?
Das hängt vom Umfang und der Liefergeschwindigkeit der Redaktion ab. Als Erfahrungswert: Eine 24-seitige Broschüre ist bei vollständigen Inhalten in 2–3 Wochen machbar, ein Magazin ab 48 Seiten braucht eher 4–8 Wochen – je nach Zahl der Korrekturschleifen und Verfügbarkeit aller Beteiligten. Der häufigste Grund für Verzögerungen: Texte und Bilder, die später kommen als geplant.
Was muss ich als Kunde vorbereiten?
Alle Texte in einem bearbeitbaren Format (Word, Google Docs), druckfähige Bilder mit mindestens 300 dpi, dein Corporate Design mit Schriften, Farben und Logo, sowie einen realistischen Zeitplan mit festem Drucktermin. Je vollständiger die Unterlagen zu Beginn, desto reibungsloser der Prozess.
Wie viele Korrekturschleifen sind normal?
Bei mir – wie bei den meisten professionellen Anbietern – sind zwei bis drei Korrekturschleifen im Angebot enthalten. Weitere Runden sind möglich, werden aber separat berechnet. Entscheidend ist weniger die Anzahl als die Qualität: gebündelte, konkrete Anmerkungen führen schneller zum Ziel als viele kleine Nachlieferungen.
Wer beauftragt die Druckerei – ich oder der Designer?
Beides kommt vor, und beides funktioniert – solange es vor Projektstart geklärt ist. Wichtig: Druckdaten werden für eine konkrete Druckerei und ein konkretes Verfahren aufbereitet. Die Druckerei sollte deshalb feststehen, bevor die finalen Daten erstellt werden, nicht danach.
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