Was gehört zum Editorial Design
Konzept, Raster, Typografie, Bild, Weißraum, Navigation: Was zum Editorial Design gehört – und warum Flexibilität im Prozess mehr zählt als das perfekte Raster.
Die Bestandteile, kompakt
Zum Editorial Design gehören sechs Dinge: ein Konzept, das die Publikation trägt. Ein Gestaltungsraster mit Satzspiegel. Typografie und Satz. Bilder und Illustrationen. Farben, grafische Elemente und Weißraum. Und die Navigation durchs Heft – Cover, Kolumnentitel, Seitenzahlen. Das gilt für Magazine genauso wie für Bücher, Jahresberichte oder digitale Publikationen.
So weit die Liste. Was sie nicht verrät: wie die Teile im Redaktionsalltag zusammenspielen – und warum das Raster allein noch kein gutes Heft macht. Beides der Reihe nach.
Definition
Was Editorial Design ist
Editorial Design ist der Teilbereich des Grafikdesigns, der redaktionelle Publikationen gestaltet: Magazine, Zeitungen, Bücher, Jahresberichte, Kundenmagazine, digitale Magazine. Die Aufgabe: viele Seiten Inhalt so ordnen, dass sie gut lesbar sind und die Publikation ein erkennbares Gesicht bekommt.
Die Abgrenzung ist einfach: Ein Plakat oder Logo ist Grafikdesign. Sobald eine Publikation viele Seiten hat und Leser durch längere Texte geführt werden, ist es Editorial Design. Der Unterschied liegt im Umfang – und darin, dass jede einzelne Seite zum Ganzen passen muss.
Bestandteile
Was konkret dazugehört
- Konzept: Bevor die erste Seite entsteht, wird geklärt, was die Publikation erzählt, für wen und in welchem Ton. Das Konzept legt Rubrikenstruktur, Bildsprache und Grundstimmung fest – alles Weitere leitet sich daraus ab.
- Gestaltungsraster und Satzspiegel: Der Satzspiegel ist die Fläche der Seite, die für Text und Bild genutzt wird – begrenzt von den Rändern. Das Raster teilt diese Fläche in Spalten und Module. Dazu kommt meist ein Grundlinienraster: ein unsichtbares Zeilennetz, an dem aller Text ausgerichtet wird, damit Zeilen über Spalten und Seiten hinweg auf gleicher Höhe stehen.
- Typografie und Satz: Die Schriftwahl gibt der Publikation ihren Ton; die Hierarchie aus Headline, Vorspann, Zwischenüberschrift und Fließtext führt durch den Text. Satz meint das Handwerk dahinter: Spaltenbreite, Zeilenabstand, Silbentrennung, saubere Umbrüche. Guter Satz fällt nicht auf – und genau dann liest man weiter.
- Bilder und Illustrationen: Dazu gehört Bildredaktion: auswählen, beschneiden, in eine Reihenfolge bringen. Ein starkes Bild kann eine Doppelseite tragen – und Bildunterschriften verdienen mehr Sorgfalt, als sie meist bekommen.
- Farben und grafische Elemente: Farbpalette, Linien, Flächen und Auszeichnungen schaffen Wiedererkennbarkeit. Bei Unternehmenspublikationen kommen sie nicht aus dem Bauch, sondern aus dem Corporate Design – festgehalten im Styleguide.
- Weißraum: Unbedruckte Fläche ist kein verschenkter Platz. Sie trennt, gewichtet und gibt dem Auge Pausen. Bis zum Rand gefüllte Seiten wirken nicht informativ, sondern billig.
- Navigation: Cover, Inhaltsverzeichnis, Kolumnentitel, Seitenzahlen. Unspektakulär – aber sie entscheiden, ob sich jemand in 80 Seiten zurechtfindet.
Bei digitalen Publikationen kommt Verhalten dazu: Das Layout muss auf verschiedenen Bildschirmgrößen funktionieren, Links und Interaktionen brauchen eine eigene Logik.
Prinzipien
Woran du ein gutes Layout erkennst
Drei Prinzipien reichen als Prüfstein:
- Hierarchie: Auf jeder Doppelseite ist ohne Nachdenken klar, wo das Lesen beginnt. Die Blickführung folgt dabei Mustern wie dem Gutenberg-Diagramm – von links oben nach rechts unten.
- Konsistenz mit Variation: Gleiche Schriften, gleiche Farbwelt, gleiches Raster über alle Seiten – aber nicht jede Seite gleich. Ein Heft, das vertraut wirkt und trotzdem überrascht, ist gut gemacht.
- Inhalt vor Form: Das Layout dient dem Text, nicht umgekehrt. Wenn ein gestalterischer Einfall das Lesen erschwert, fliegt der Einfall.
Aus der Praxis
Warum Flexibilität mehr zählt als das perfekte Raster
Ich übernehme bei Editorial-Projekten meist den kompletten Bogen: rohe Redaktionstexte, Konzeption, Bildbearbeitung, Satz, Druckvorbereitung. Der Knackpunkt ist dabei selten die Gestaltung – sondern die Heftplanung. Ein Text, der vier Seiten füllen soll, passt am Ende auf eine. Ein anderes Thema sprengt seinen Rahmen. Dann wird umgeplant, gestalterisch gelöst oder mit einer Infografik nachgesteuert.
Feste Layoutvorlagen für die Redaktion klingen nach der Lösung, und ich stelle sie auch bereit. Sie helfen nur bedingt: Zeichenvorgaben werden in der Praxis selten eingehalten. Von starren Rastern, die jeden Spielraum nehmen, halte ich deshalb wenig – sie funktionieren auf dem Papier, nicht im laufenden Redaktionsprozess. Was ein Heft rettet, ist die Fähigkeit, im Prozess pragmatisch nachzusteuern, ohne dass der Leser es merkt. Mehr dazu: Heftplanung – warum gute Magazine nicht im Layout entstehen.
Fazit
Alles gehört dazu – aber nicht alles gleich viel
Zum Editorial Design gehören Konzept, Raster, Typografie, Bild, Farbe, Weißraum und Navigation. Aber die Teile sind nicht gleichwertig: Konzept und Typografie entscheiden, ob eine Publikation funktioniert. Der Rest folgt.
Wenn du ein Magazin, einen Jahresbericht oder eine Broschüre planst, findest du hier den Ablauf aus Kundensicht: Editorial Design Prozess – was dich als Kunde erwartet. Ob dafür eine Agentur oder ein freier Designer besser passt, klärt dieser Beitrag: Editorial Design Agentur – worauf es ankommt.
Einen Überblick über meine Print-Arbeit gibt es unter Print & Editorial. Und falls deine Publikation auch ins Netz soll: Hierarchie, Raster und Lesbarkeit gelten dort genauso – im Webdesign arbeite ich mit denselben Prinzipien.
Häufige Fragen
Worin unterscheidet sich Editorial Design von Grafikdesign?
Editorial Design ist ein Spezialbereich des Grafikdesigns. Grafikdesign umfasst alles von Logo bis Plakat; Editorial Design gestaltet mehrseitige redaktionelle Publikationen – dort zählt die Leserführung über viele Seiten hinweg, nicht der Einzeleindruck.
Was ist ein Satzspiegel?
Der Satzspiegel ist die Fläche einer Seite, die für Text und Bild genutzt wird – begrenzt durch die umlaufenden Ränder. Er legt fest, wie viel Inhalt auf eine Seite passt und wie ruhig das Layout wirkt.
Gilt Editorial Design auch für digitale Publikationen?
Ja. Raster, Typografie und Leserführung gelten auch für E-Magazines und Online-Publikationen – ergänzt um responsives Verhalten auf verschiedenen Bildschirmgrößen und interaktive Elemente.
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