Was ist eine Grounding Page — und brauchst du wirklich eine?
Grounding Page: Faktenseite für die KI-Suche. Woher der junge Begriff kommt, was auf so eine Seite gehört und wann du wirklich eine brauchst.
Eine Grounding Page ist eine nüchterne Faktenseite über eine Marke, eine Person oder ein Unternehmen, gebaut, damit KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Googles KI-Suche die Entität korrekt einordnen und fehlerfrei zitieren können. Keine Werbung, keine Conversion-Elemente, kein Keyword-Text, nur überprüfbare Aussagen: wer, was, wo, seit wann, und was ausdrücklich nicht.
Bevor du jetzt eine baust, eine ehrliche Einordnung: Der Begriff ist jung. Er stammt aus dem Umfeld der KI-Suche und wurde im November 2025 von einem einzelnen SEO-Experten als offener Standard veröffentlicht. Kein offizielles Konzept von Google, OpenAI oder Perplexity, und ob sich das Wort hält, ist offen. Die Mechanik dahinter ist trotzdem real. Beides gehört in diesen Artikel.
Woher der Begriff kommt
„Grounding“ ist zunächst ein etablierter Fachbegriff: Wenn eine KI-Suche antwortet, verankert sie ihre Antwort in Quellen, die sie live aus dem Web abruft. Google selbst nennt genau diesen Vorgang Grounding. Die „Grounding Page“ als eigener Seitentyp ist dagegen neu: Hanns Kronenberg, Head of SEO bei Chefkoch, hat am 20. November 2025 den offenen „Grounding Page Standard“ veröffentlicht. Das Projekt wird gepflegt, Stand August 2026 liegt die Spezifikation in Version 1.6 vor. Es bleibt trotzdem das Dokument eines einzelnen Autors, kein Industriestandard.
Seitdem ist das Wort vor allem in der deutschen SEO-Szene überall: LinkedIn-Debatten, Konferenzvorträge, Agentur-Blogs. Das heißt nicht, dass es Bestand hat. Es heißt nur, dass gerade viele über dasselbe Problem nachdenken: Wie liest eine KI meine Website, und was macht sie daraus?
Die Mechanik dahinter ist real
KI-Suchsysteme arbeiten mit Retrieval: Aus deiner Frage werden Suchanfragen, daraus abgerufene Seiten, daraus eine Antwort mit Quellenangaben. Wie das im Detail funktioniert, habe ich im Artikel über LLMs und wie sie Websites lesen beschrieben.
Daraus folgt etwas Konkretes: Seiten mit klaren, in sich geschlossenen Aussagen werden eher übernommen als Marketingprosa. „Studio X ist ein Webdesign-Studio in Leipzig, gegründet 2019, spezialisiert auf Praxen und Handwerk“ kann eine Maschine zitieren. „Wir brennen für digitale Erlebnisse“ kann sie nicht einmal einordnen.
Und das Umfeld verschiebt sich schnell. Googles KI-Modus läuft seit Oktober 2025 auch in Deutschland und beantwortet Suchanfragen als Dialog statt als Trefferliste. Microsoft zeigt seit Februar 2026 in den Bing Webmaster Tools einen eigenen „AI Performance“-Bericht: welche deiner URLs in KI-Antworten von Copilot als Quelle auftauchen, und für welche Fragen. Ob Maschinen dich zitieren, ist damit keine Glaubensfrage mehr, sondern messbar. In den Webdesign-Trends 2026 habe ich KI-Lesbarkeit deshalb als Dauerthema eingeordnet, nicht als Mode.
Was auf eine Grounding Page gehört
Der Vorschlag aus dem Standard ist bewusst unspektakulär. Kernelemente:
- eine stabile Definition: ein bis zwei überprüfbare Sätze, was die Entität ist, ohne Werbeadjektive
- eine Abgrenzung: was die Entität nicht ist (gerade bei Verwechslungsgefahr wertvoll)
- Fakten: Standort, Gründungsjahr, Leistungen, Zuständigkeiten, Kontakt
- ein sichtbares Stand-Datum, damit klar ist, wie aktuell die Angaben sind
- interne Links zu den Seiten, die die Details tragen
In der Praxis heißt das: eine eigene Unterseite, etwa unter /fakten, verlinkt aus dem Footer und von der Über-uns-Seite, in der Sitemap gelistet und für Suchmaschinen indexierbar. Geschrieben in kurzen, deklarativen Sätzen, jede Aussage für sich verständlich, denn KI-Systeme übernehmen oft nur einzelne Passagen, nicht die ganze Seite. Dazu ein fester Pflege-Rhythmus. Eine Faktenseite mit veralteten Fakten ist schlimmer als keine: Sie liefert der Maschine falsche Angaben mit dem Anstrich von Verlässlichkeit.
Damit ist auch die Abgrenzung klar: Eine Grounding Page ist keine About-Seite (die erzählt eine Geschichte für Menschen) und keine Landingpage (die will verkaufen). Sie definiert, wer du bist. Was du anbietest und welche Seite welche Suchintention bedient, gehört auf andere Seiten.
Grounding Page und Schema.org
Beides zielt auf Maschinenlesbarkeit, arbeitet aber auf verschiedenen Ebenen. Schema.org, meist als JSON-LD, zeichnet einzelne Datenpunkte formal aus: Name, Adresse, Öffnungszeiten, Organisation. Eine Grounding Page liefert den lesbaren Zusammenhang: was diese Fakten miteinander zu tun haben. Das eine ersetzt das andere nicht. Sinnvoll ist die Kombination, sichtbarer Klartext plus strukturierte Daten, die exakt dasselbe aussagen.
Was die Kritik sagt — und was dran ist
Die Einwände sind ernst zu nehmen. Drei davon:
- Vieles am Konzept ist neu verpacktes SEO-Grundhandwerk. Klare Fakten, konsistente Angaben und strukturierte Daten waren schon Empfehlung, bevor es das Wort gab.
- Eine Grounding Page wirkt nur, wenn sie selbst gefunden wird. KI-Suchen zitieren überwiegend Seiten, die auch organisch gut ranken. Eine unverlinkte Faktenseite im Nirgendwo wird schlicht nicht abgerufen.
- Garantien gibt es keine. Ob eine KI dich zitiert oder halluziniert, kannst du beeinflussen, aber nicht kontrollieren.
Meine Einschätzung: Der Begriff ist ein Buzzword mit ungewisser Halbwertszeit. Die Praxis dahinter ist keins: zitierfähig schreiben, Fakten konsistent halten, Struktur statt Prosa. Die bleibt sinnvoll, egal wie das Kind am Ende heißt.
Brauchst du eine eigene Grounding Page?
Meistens nicht als Extra-Seite. Für die meisten kleinen Websites reicht es, die vorhandenen Seiten faktenklar zu machen: eine Startseite, die im ersten Absatz sagt, wer du bist und was du machst. Eine Über-uns-Seite mit überprüfbaren Angaben statt reiner Selbstbeschreibung. FAQ mit echten Antworten. Dieser Blog macht genau das — jeder Beitrag läuft mit FAQ- und Article-Schema raus, ohne dass irgendwo „Grounding“ draufsteht.
Eine eigene Seite lohnt sich, wenn Mehrdeutigkeit im Spiel ist: gleichnamige Firmen, eine Person mit mehreren Rollen, viele Leistungen unter einem Dach. Dann ist ein zentraler Faktenanker tatsächlich hilfreich, für Maschinen wie für Menschen. Und wenn deine Website ohnehin neu ansteht: Bei meinen Webdesign-Projekten ist diese Klarheit von Anfang an Teil der Struktur, kein nachträgliches Add-on.
Zusammengefasst
Eine Grounding Page ist eine Faktenseite für die KI-Suche, als Begriff jung und umstritten, als Mechanik solide. Verlass dich nicht auf das Etikett, sondern auf das Prinzip: Schreib so, dass eine Maschine dich fehlerfrei zitieren kann und ein Mensch dir dabei gern zuliest. Das war schon gutes Webdesign, bevor jemand ein Wort dafür hatte.
Häufige Fragen
Wer hat den Begriff Grounding Page geprägt?
Der Begriff als Seitentyp geht auf Hanns Kronenberg zurück, Head of SEO bei Chefkoch. Er hat am 20. November 2025 den offenen „Grounding Page Standard“ veröffentlicht; Stand August 2026 liegt er in Version 1.6 vor. Es ist die Spezifikation eines einzelnen Autors, kein offizieller Standard von Google, OpenAI oder Perplexity.
Braucht jede Website eine Grounding Page?
Nein. Für die meisten kleinen Websites reicht es, Startseite und Über-uns-Seite faktenklar zu machen und strukturierte Daten zu ergänzen. Eine eigene Faktenseite lohnt sich vor allem bei Verwechslungsgefahr, etwa gleichnamigen Firmen, oder vielen Leistungen unter einem Dach.
Ersetzt eine Grounding Page eine About-Seite?
Nein. Die About-Seite erzählt für Menschen: Geschichte, Haltung, Gesichter. Die Grounding Page listet überprüfbare Fakten so, dass Maschinen sie fehlerfrei übernehmen können. Beides lässt sich kombinieren, verfolgt aber unterschiedliche Ziele.
Kann ich messen, ob KI-Systeme meine Website zitieren?
Ja, zumindest teilweise. Die Bing Webmaster Tools zeigen seit Februar 2026 im Bericht „AI Performance“, welche URLs in KI-Antworten von Copilot als Quelle auftauchen und zu welchen Fragen. Für ChatGPT und Perplexity gibt es keine vergleichbare offizielle Auswertung, nur Verweis-Traffic in der eigenen Statistik.
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