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Farbe Blau: Bedeutung, Wirkung und Einsatz in Marke und Website

Blau steht für Ruhe, Weite und Kompetenz, im Deutschen auch für Rausch. Was davon belegt ist, warum so viele Firmen blau sind und welche Blautöne auf der Website durchfallen.

Die kurze Antwort: Blau steht in unserem Kulturkreis für Weite, Ruhe, Sachlichkeit und Kompetenz, auf der Schattenseite für Kälte und Distanz. In Umfragen ist es fast überall die Lieblingsfarbe, und in Firmenlogos begegnet es dir ständig. Wichtig ist aber, woher diese Wirkung kommt: Vieles daran ist gelernt. Für deine Marke heißt das: Blau ist sicher, aber selten unterscheidbar.

Wie Farben im Branding grundsätzlich funktionieren, steht im Beitrag Farben im Branding. Hier geht es nur um Blau: was die Farbe bedeutet, was über ihre Wirkung belegt ist und worauf du achten musst, wenn du sie auf deiner Website einsetzt.

Bedeutung

Was die Farbe Blau bedeutet

Die meisten Bedeutungen von Blau kommen aus der Natur: Himmel und Meer. Daraus werden Weite, Ferne, Ruhe und Klarheit. Weil Wasser und Eis blau erscheinen, steht Blau außerdem für Kühle. Im Positiven heißt das sachlich und beherrscht, im Negativen kalt und distanziert.

In der Sprache ist Blau weniger brav. Im Deutschen ist man blau, wenn man betrunken ist, man macht blau, wenn man schwänzt, fährt ins Blaue, erlebt sein blaues Wunder und bekommt im schlimmsten Fall einen blauen Brief. Im Englischen dagegen ist feeling blue traurig, daher kommt auch der Blues. Was eine Farbe bedeutet, lernt man also mit der Sprache.

Wirkung

Wie Blau wirkt und was davon belegt ist

Über die Wirkung von Blau kursieren viele Zahlen, die sich nicht belegen lassen. Belastbar sind vor allem zwei Befunde.

Blau ist die Lieblingsfarbe. In einer YouGov-Umfrage von 2015 in zehn Ländern auf vier Kontinenten, darunter Deutschland, lag Blau überall vorne: Zwischen 23 und 33 Prozent der Befragten nannten es als Lieblingsfarbe, 8 bis 18 Punkte vor der nächsten Farbe. In Deutschland folgte Rot auf Platz zwei.

Blau wird mit Kompetenz verbunden. Die Marketingforscher Lauren Labrecque und George Milne haben 2012 im Journal of the Academy of Marketing Science untersucht, welche Eigenschaften Menschen Marken je nach Farbe zuschreiben. Der Titel fasst das Ergebnis zusammen: „Exciting red and competent blue“, Rot wirkt aufregend, Blau kompetent.

Was du daraus nicht ableiten kannst: dass Blau Vertrauen erzeugt. Eine Farbe, die man mit Kompetenz verbindet, macht eine schlechte Website nicht glaubwürdig. Sie setzt nur eine Erwartung, die der Rest einlösen muss.

Marke

Warum so viele Firmen blau sind

Banken, Versicherungen, Software, soziale Netzwerke: Blau ist die Farbe der Branchen, die vor allem eines brauchen, nämlich dass man ihnen sein Geld oder seine Daten anvertraut. Ein Teil davon ist die Kompetenz-Assoziation. Ein großer Teil ist schlicht Nachahmung. Wer eine neue Bank gründet und sie blau macht, sieht aus wie eine Bank.

Manchmal ist der Grund auch banaler. Facebook ist blau, weil Mark Zuckerberg eine Rot-Grün-Sehschwäche hat. Dem New Yorker sagte er 2010: Blau sei für ihn die reichste Farbe, die einzige, die er vollständig sehe. Eine der bekanntesten Markenfarben der Welt ist also keine Psychologie-Entscheidung, sondern eine persönliche.

Auch die einzelnen Blautöne werden verschieden gelesen. Belastbare Studien dazu fehlen, es sind Konventionen: Tiefes Dunkelblau gilt als seriös und traditionell, helles Blau als leichter und freundlicher. Türkis und Petrol rücken in Richtung Grün und gelten damit eher als Farben für Gesundheit und Natur. Wer „Blau“ als Markenfarbe festlegt, hat also noch fast nichts entschieden. Erst der genaue Ton, als Wert in einem Styleguide festgehalten, macht daraus eine Farbe, die man wiedererkennt.

Website

Blau auf der Website: Links und Kontrast

Im Web hat Blau eine Bedeutung, die keine andere Farbe hat: klickbar. Schon der Browser Mosaic zeigte Links im April 1993 blau und unterstrichen, und die Gewohnheit hat sich gehalten. Für eine blaue Marke hat das zwei Folgen. Blaue Flächen und Überschriften wirken schnell wie Links, auch wenn sie keine sind. Und echte Links brauchen ein zweites Merkmal, etwa eine Unterstreichung, damit man sie im blauen Umfeld noch erkennt. Ohne Unterstreichung geht es nach den WCAG-Techniken nur, wenn sich die Linkfarbe mit mindestens 3 : 1 vom umgebenden Text abhebt und Links beim Überfahren und beim Ansteuern per Tastatur zusätzlich markiert werden. Dunkle Blautöne schaffen das neben schwarzem Text nicht: Das Browser-Blau kommt auf etwa 2,2 : 1, Dunkelblau (#1E3A8A) auf 2,0 : 1. Ein Mittelblau wie #2563EB klappt, mit 4,1 : 1 zu Schwarz und 5,2 : 1 auf Weiß.

Die zweite Falle ist der Kontrast. Für normalen Text verlangen die Barrierefreiheits-Richtlinien WCAG ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1, für große Schrift sowie Rahmen und Symbole von Bedienelementen 3 zu 1. Viele beliebte Blautöne schaffen das auf Weiß nicht. Nachgerechnet nach der WCAG-Formel, jeweils auf Weiß:

  • Dunkelblau (#1E3A8A): 10,4 : 1, problemlos
  • Klassisches Link-Blau der Browser (#0000EE): 9,4 : 1
  • Kräftiges Mittelblau (#2563EB): 5,2 : 1, reicht für Text
  • Helleres Mittelblau (#3B82F6): 3,7 : 1, nur für große Schrift oder Rahmen und Symbole, nicht für normalen Text
  • Himmelblau (#87CEEB): 1,7 : 1, als Textfarbe unlesbar

Gerade das hellere Mittelblau ist tückisch, weil es in vielen Vorlagen und Baukästen als Standard steckt und gut aussieht. Als Textfarbe für Links oder Hinweise fällt es durch. Für viele Online-Angebote ist Barrierefreiheit inzwischen gesetzlich vorgeschrieben. Wen es betrifft, steht in Barrierefreiheit: Pflicht für deine Website? Solche Prüfungen gehören beim Webdesign zur Farbwahl dazu, bevor die erste Seite steht, nicht hinterher.

Grenzen

Wann Blau allein nicht reicht

Blau ist oft zu wenig. In Branchen, in denen alle blau sind, fällst du damit nicht auf. Schau dir die Websites deiner fünf nächsten Mitbewerber an. Sind drei davon blau, bringt dir dieselbe Farbe Seriosität, die du ohnehin hast, und kostet dich den Wiedererkennungswert.

Heikel wird Blau außerdem dort, wo Nähe gefragt ist, etwa bei Pflege oder Gastronomie. Die sachliche Seite der Farbe kann dann wie Distanz wirken. Dort braucht Blau einen warmen Partner: eine zweite Farbe, Fotos von echten Menschen oder eine Schrift mit Charakter.

Fazit

Blau ist eine sichere Wahl, keine mutige

Blau ist die Farbe von Himmel und Meer, im Deutschen auch vom Rausch. Es wird mit Kompetenz verbunden und ist die Lieblingsfarbe der meisten Menschen. Genau deshalb ist es so verbreitet. Wenn du Blau wählst, wähle einen genauen Ton, prüf ihn auf Kontrast und frag dich, was dich dann noch von den anderen Blauen unterscheidet.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Farbe Blau?

Blau steht in unserem Kulturkreis für Weite, Ruhe, Sachlichkeit und Kompetenz, auf der Schattenseite für Kälte und Distanz. Die Bedeutungen kommen vor allem von Himmel und Meer. Im Deutschen hat „blau“ zusätzlich die Nebenbedeutung betrunken, im Englischen steht „blue“ für traurig.

Wie wirkt die Farbe Blau in Marke und Werbung?

Blau wird mit Kompetenz verbunden, das zeigt unter anderem eine Studie von Labrecque und Milne (2012). Vieles spricht dafür, dass diese Verbindung gelernt ist, etwa durch Jahrzehnte blauer Banken. Sie setzt eine Erwartung, Vertrauen erzeugt sie nicht von selbst.

Welches Blau ist auf Websites gut lesbar?

Auf weißem Hintergrund brauchen Texte nach WCAG einen Kontrast von mindestens 4,5 : 1. Dunkelblau (#1E3A8A, 10,4 : 1) und kräftiges Mittelblau (#2563EB, 5,2 : 1) schaffen das, helleres Mittelblau (#3B82F6, 3,7 : 1) und Himmelblau (#87CEEB, 1,7 : 1) nicht.

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